web 2.0

Die Herstellung von Möbel und deren Entwicklung

Badezimmerset - Arozina in Wallnuss / weiß

Badezimmerset - Arozina in Wallnuss / weiß

In einer Zeit in der wir hauptsächlich vom Preis gelenkt werden, frage ich mich manchmal welche Qualität heute noch bezahlt wird und welche Rolle Qualität bei Möbel überhaupt noch spielt. Ich Frage mich ernsthaft ob man für Möbel überhaupt noch ein allgemeines Gefühl hat und ob man Qualität von schlechter Ware noch auseinander kennt? Dürfen Möbel überhaupt noch was kosten, oder zählt eigentlich nur mehr der Preis und wann, wo gerade eine Aktion läuft?

Ich arbeite derzeit als Büroeinrichter und plane und richte Büros ein, teils für den öffentlichen Dienst (die Stadt und dessen Ämter), teils für Firmen, wenn diese ihre Büros neu einrichten. Fast immer, wenn ich eine Planung vorbereite und man das Thema Preis anspricht, heißt es nur “so billig wie möglich” oder “es darf nichts kosten”. Zwar spricht keiner mehr von der Wirtschaftskrise, aber wenn es um Einrichtung geht, scheint es bei vielen eine sekundäre Sache zu sein. Wenn Gebäude geplant werden, steht eben Einrichtung und Möbel zuletzt auf der Budgetliste und so spürt man hier wenn vorher falsch kalkuliert wurde, bzw. wenn generell gespart wird.

Aber was ist mit den privaten Einrichtern, warum ist dieses Denken so verbreitet bei der normalen Bevölkerung, wenn es um Möbeln geht, mit denen man leben muss, auf denen man schlafen muss, worauf man sich entspannt und worin man sich wohl fühlt?

Die Entwicklung der Möbel und deren Preise

Wenn man in die Geschichte zurück blickt, wo es starke Unterschiede gab zwischen arm und reich, sieht man auch sehr starke Unterschiede bei den Möbeln. Während die Armen mit den billigsten und einfachsten Möbeln leben mussten, die einen reinen funktionellen Zweck erbrachten, lebten die Reichen mit hochwertigen, verschnörkelten und teilweise kunstvoll verzierten Möbeln. Möbel waren in der Optik so unterschiedlich, wie in deren Qualität.

Mit der Zeit stieg der Standard. Das beruhte auf das Voranschreiten der Technik, die brachte immer genauere Maschinen, die Möglichkeit mehrere Stücke in kürzerer Zeit zu produzieren und somit sank der Preis. Die Maschinen erlaubten den einzelnen Tischlern eine schnellere und genauere Produktion. Ins Besondere ging es dabei um den Zuschnitt, nachher die Bekantung, das Verleimen einzelner Bauteile, sowie die verschiedenen Oberflächenbearbeitungen.

Nun kam auch die industrielle Produktion ins Spiel. Ähnlich wie in der Automobilbranche, wurden für immer mehr Arbeitsschritte immer mehr Maschinen herangenommen und man produzierte Möbel am Fliesband, wo Menschen nur mehr am Rand stehen und die Maschinen beobachten und deren Einstellungen kontrollieren.

Die Produktion heutzutage

Nachdem diese Maschinen nun die einzelnen Arbeitsschritte übernehmen konnten, die händisch viel Zeit in Anspruch genommen hätten, teilte sich logischerweise der Markt langsam auf, auf einzelne Bereiche. Jemand produziert Oberflächen, ein anderer macht aus Rohmaterial und den Oberflächen (Furnierblätter, Kunststoffe, etc.) fertige große Platten. Von diesen Plattenlieferanten kaufen die Tischler dann ein, oder die industriellen Möbelhersteller. Sie kaufen Platten ein, schneiden sie zu und bekanten sie. Danach werden diese vorgebohrt und entweder fertig montiert oder in Einzelteilen zum Verkauf angeboten, oder vorort montiert.

Die Tischler nehmen gekaufte Platten und müssen bei jedem einzelnen Teil des Möbelstücks die Maschine einstellen und dann einen Schnitt machen. Andauernd einstellen, schneiden, Zuschnittsliste anschauen und wieder einstellen und wieder schneiden, etc. etc. Dann müssen sie die Platten händisch sortieren, händisch Kanten und eventuell auch noch Oberflächen aufbringen und auch anbohren.

Lederbett Luciano - schwarz/weiß

Lederbett Luciano - schwarz/weiß

Ein industrieller Hersteller hingegen hat ein Plattenlager, wo eine Maschine sich automatisch die richtige Platte in der richtigen Farbe aussucht. Danach wird die Platte automatisch geschnitten, gedreht, geschnitten und die Reste auch automatisch wieder einsortiert. Die Maschine merkt sich den Rest und kann die Platten somit optimal ausnutzen. Die zugeschnitten Platten werden am Fliesband bekantet. Die somit fertige Platte wird direkt nach Bedarf  vorgebohrt und mit den notwendigen Einsätzen vorgesehen (verleimt und Beschläge, oder Holzdübel eingeschossen). Man braucht diese Platten nur mehr richtig miteinander zu verbinden und fertig ist das Möbelstück.

Die Platten können auch mit CNC-Fräsen nach Computerplänen sogar ausgeschnitten werden. Löcher, Rundungen, sämtliche Formen ausgeschnitten und dann passend bekantet werden, egal wie diese aussehen. Ein Tischler müsste hier erst alles aufzeichnen und dann händisch zuschneiden, etc.

Was bedeutet das nun für den Endkunden?

Das Problem liegt hierbei aber in der Produktionsmenge. Große Maschinen kosten viel Geld (wir reden von Millionen) und müssen auch eine entsprechende Auslastung vorweisen, damit diese rentabel funktionieren. Zuwas sollte man sich eine Maschine kaufen, die Zehntausende Einzelteile fertigstellt, wenn man diese nicht an den Mann bringt? Somit kommt man zwangsläufig in die Situation, dass große Produktion umbedingt eine große Nachfrage braucht, es muss die große Menge, die man produziert, verkauft werden. Man kann es zwar günstiger produzieren, aber man muss es eben auch in größeren Mengen verkaufen können, damit mehr Umsatz zustande kommt.

Während der Tischler immer für jedes Möbelstück extra rechnet, was es kostet und sich Arbeitszeit und Material zusammenrechnet, gehen industrielle Hersteller mit Lieferverträgen und großen Liefermengen auf den Markt. Der Tischler passt seinen Preis an, nach seiner jeweiligen Auslastung und hat immer individuelle Preise. Der industrielle rechnet auf das Jahr hoch und kalkuliert seinen Preis, weil er genau weiß, was die Produktion kostet, was die Maschinen können, etc. Aufgrund solcher Lieferverträge gibt es eben auch genaue Sortimente, die eingeschränkt sind, damit man das auch überschaubar kalkulieren kann und für die jeweiligen Ausführungen Vertäge machen kann. Möbelhändler und Einkaufsgenossenschaften, versprechen eine Abnahmemenge und die Lieferanten versprechen einen günstigen Preis.

Somit muss der gesamte Markt, der immer mehr von günstigeren Anbieteren überflutet ist das auch kaufen, was diese Hersteller produzieren, weil die Händler die Waren verkaufen müssen, damit diese auch zu diesen günstigen Konditionen die Möbel kaufen können.

Der Tischler füllt nur mehr Nischen, wo eine Serienproduktion nicht sinnvoll wäre, weil die notwendige Abnahmemenge nicht Zustande kommt. Einzelstücke, Maßanfertigungen, besondere Ansprüche, individuelle Verarbeitungen und Zusammensetzungen von verschiedenen Materialien, einfach alles was man nicht Massenweise produzieren kann.

Für einen Endkunden bedeutet es, dass man sich das kaufen kann, was alle kaufen zu günstigeren Preisen und wenn man was anderes will, muss man eben viel mehr dafür zahlen, als man es gewohnt ist.

Fazit:

Durch die industrielle Herstellung von Möbeln und durch die großen Möbelhändler sind viele Möbelstücke erheblich günstiger geworden und die Qualität leidet nicht wirklich darunter. Zwar ist die Auswahl eingeschränkt, und auch das Design zum Teil, aber das stört nicht wirklich. Für die Tischler bedeutete dieser Schritt, dass man sich entweder auf eine Nische profiliert hat, oder man ist einfach untergegangen. Die Möbelhhäuser mit ihren Lieferverträgen haben diese einfach geschluckt, weil diese auch imens viel auf die Werbetrommel pochen, mit ihren ganzen Aktionen und günstigen Preisen.

Für Endkunden ist die Entwicklung zwar positiv, weil es eben günstiger ist, aber durch die ganze Werbung, die auf den Preis bezogen ist, verlieren viele den Bezug zu den Möbeln und deren qualitativen Merkmalen. Das Problem ist ja nicht, dass nur industrielle und Tischler den Markt teilen, sondern auch ausländlische Hersteller, die durch billige Arbeitskräfte Möbel herstellen und diese hierher importieren. Die Händler hierzulande handeln nicht nur mit inländlischen Waren sondern auch mit viel Importware, die aber dann nicht wirklich immer qualitativ entspricht, aber dafür den Händler höhere Margen bringt.

Somit ist diese Entwicklung, vom klassichen Tischlerhandwerk zur Möbelindustrie ein zweischneidiges Schwert, das Gewinner und Verlierer mit sich brachte.

Weitere ähnliche Beiträge:

Ihnen hat dieser Artikel gefallen? Dann setzen Sie ihn als Lesezeichen bei:

Diesen Artikel bei Mister Wong als Lesezeichen setzen Diesen Artikel bei Linkarena als Lesezeichen setzen Diesen Artikel bei Infopirat verlinken Scoop oneview - das merk ich mir! Diese Seite zu Favoriten.de hinzufügen Diese Seite zu Favoriten.de hinzufügen
Ein Kommentar hinterlassen